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Nahausen

Nahausen
Eine kurze Geschichte Nahausens: http://freepages.genealogy.rootsweb.com/~monajo/nah/hist.htm
Nahausen liegt 6 km nordwestlich von Königsberg.

Entstehung des Namens
Im Nahauser Kirchenbuch (1774-1836) steht, dass vermutlich nach 1124 (Einführung des Christentums in Pommern) Reichenfelde von deutschen Kolonisten gegründet wurde und in einer dort erbauten Capella, das Haus genannt, ein Marienbild aufgestellt wurde, das zahlreiche Wallfahrer angezogen hat. Um ihnen genügend Unterkünfte zu bieten, sei dann, bis spätestens 1244 nahe dieser Kapelle, dem Haus der Ort Nahausen entstanden.
Das hat sich bei genaueren Nachforschungen von Hans Bütow (Reichenfelde: Dorf, Kirche, „Wundertätiges Marienbild“, Jahrbuch d. Neumark, Heft 9) als falsch herausgestellt. Er erklärt den Namen Nahausen als den Ort nahe dem Hause der Templer in Rörchen (1248 Sitz einer Komthurei der Templer), an die Nahausen 1244 als Schenkung des Herzogs Barnims überging. Auch die Gründung von Reichenfelde um 1340 spricht gegen die Kirchenbuchversion.

Geschichte
Urnen- und Bronzefunde belegen, dass die Gegend von Nahausen schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt war. Ob es vor der ersten Nennung 1244 ein Slawendorf war, ist nicht zu entscheiden. Der Name spricht zumindest erst mal dagegen. Für viele Orte ist aber belegt, dass "Neubesiedelung"  vorhandene Orte integrierte.
Im 12 und 13. Jhdt, wechselt die Zugehörigkeit Nahausens einigermaßen häufig, da es so klein ist, wird es natürlich nicht erwähnt, aber die Gegend gehörte abwechselnd zu Pommern, Polen, Dänemark, Sachsen, Brandenburg, dem Heiligen Römischen Reich deutscher Nation und häufig gab es Streit darüber, zu wem sie gerade gehörte.

Für einen heutigen Staat ist klar, dass feste Grenzen bestehen. Doch diese Auffassung von einem Staat hat sich erst nach dem 30jährigen Krieg herausgebildet. Die Slawen und das Mittelalter kannten keinen Staat im heutigen Sinne.
Die Herrschaft eines regierenden Landesfürsten erstreckte sich in erster Linie über Menschen, weniger über fest abgegrenzte Gebiete. Die Obrigkeit hatte vor allem die Schutzpflicht gegenüber seinen Untertanen. Dafür wurde ihm von seinen Untertanen als Gegenleistung das Recht eingeräumt, von ihnen Dienste und Abgaben zu fordern.
Sicher ist, dass spätestens die Schenkung Barnims I in der Urkunde von 1244 der villa Nahausen an die Templer die pommerschen Nahauser christianisiert hat und die deutschrechtliche Kolonisation begann. Besitznachfolger des Templerordens waren die Johanniter.

1312 wurde der Templerorden aufgelöst, das etwa 30 km entfernte Bahn wird wie Nahausen auch vom Johanniterorden übernommen, 1364 gibt es ein Dokument, dass die Johanniter aus Nahausen den Königsbergern Zölle abverlangen. 1472 hat der Markgraf zu Brandenburg Uchtdorf (5km nördlich von Nahausen) den Brüdern Steinbeck als Lehen überschrieben. Wahrscheinlich hat auch Nahausen um diese Zeit zu Brandenburg gehört.

1503 wird das Dorf Nahausen vom Grafen Honstein erworben.
1536
ist in Nahausen, Reichenfelde und der Stadt Königsberg die Reformation Luthers eingeführt worden (Kirchenbuch (1774-1836).

1545 belehnt Johannes, aus dem Hause Hohenzollern Marggraf zu Brandenburg zu Stettin Pommern der Cassuben, Wenden und in Schlesien zu Croßen Hertzog, Burggraff zu Nürnberg und Fürst zu Rügen in einem Lehensbrief die Brüder Wilhelm und Mertin Graffen von Hohenstein mit Nahausen und halb Viddichow

1572 erneuert George, Marggraff zu Brandenburg in diesem Lehensbrief das Lehen für die Grafen von Hohenstein für Nahausen.

1652 gibt es einen Lehensbrief von Friedrich Wilhelm von Brandenburg

Die Kirche

Kirche 2004

Die Kirche in Nahausen steht auf der höchsten Stelle des Dorfes, ein schlichter gotischer Feldsteinbau aus dem späten Mittelalter, 14./15. Jahrhundert. Der Turm ist erst später, wohl noch im 15. oder 16. Jahrhundert, errichtet worden. Nach dem Brande von 1721 ist die Kirche 1723 wieder aufgebaut. Der Kanzelaufbau hinter dem Altar ist aus Holz geschnitzt mit der Jahreszahl 1735 und dem Monogramm PFW bedeutet Prinz Friedrich Wilhelm von Brandenburg-Schwedt. Aus derselben Zeit stammt auch die Orgel mit dem Monogramm FPW, darüber ein gekrönter Adler. Die Altarleuchter aus Zinn aus dem Jahre 1740. Kruzifix aus Messing, Anfang des 18. Jahrhunderts. Die Glocke gegossen 1870 von Fr. Gruhl in Kleinwelka. 1869 wurde der Turm durch einen Brand zerstört und danach aus neuen Steinen aufgemauert. Das oberste Geschoß besteht aus Holz. Die alte Ummauerung des Kirchenhügels aus Feldsteinen ist größtenteils erhalten. Das nördliche Kirchhofsportal aus Feldsteinen mit einem giebelförmigen Aufsatz mit Voluten und zwei Blendnischen, wahrscheinlich um 1600 entstanden. In der Bemalung der Nischen ist eine Sonnenuhr dargestellt. Das Kirchhofsportal ist neben dem von Vietnitz das malerischste in der Gegend.
Zwischen 1816 und 1825 ist die altlutherische Kirche im Dorfe enstanden. In Nahausen gehörten unter anderen der Bauer Martin Sasse und der Bauer Friedrich Fellwock dazu. Deren Kinder Friedrich, Michael und Martin Fellwock und Michael, Henrietta und Maria Sasse sind Mitte des 19. Jhdts. aus religiösen Gründen nach Amerika ausgewandert.

1695 bis 1757 sind im Kirchenbuch einige allgemeine Einträge über Anschaffungen und Reparaturen der Kirche, Feuer, Überschwemmungen, Verbrechen und Anordnungen der Obrigkeit gemacht worden.

Einwohner
In Nahausen standen Lauben-, Löwinghäuser die Fachwerk mit Lehmstaken hatten, sie deuten auf die Bauweise der Slawen hin. Die Laube bildete eine gedeckte Unterfahrt, welche in der ganzen Breite des Hauses entlang führte und an der Straßenseite liegt. Sie ruht auf fünf starken Holzpfosten und ist durch bogenförmige Eckriegel verbunden. Die Wohnstube und die Viehställe sind unter einem Dach untergebracht. In der Mitte des Hauses liegt die Küche hinter dem Flur und von der Küche führt ein Gang zu den Ställen für Pferde und Kühe.

Ein Gut hat in Nahausen nie bestanden, Die Haupterwerbsquelle der Einwohner ist der Gemüsebau, schon damals wurden die guten Gemüsegärten gerühmt. In den Gärten und der Röhrickeniederung wird hauptsächlich Sellerie angebaut, auf dem Hochland viel Mohrrüben. In früheren Jahren als Nachfrucht in das Frühkartoffelland Teltower Rübchen, die mit den vielen anderen Gemüsen und Kraut hauptsächlich auf den Markt nach Stettin gingen, dagegen Mohrrüben und Sellerie nach Berlin zur Zentralmarkthalle. Die Schiffsstelle in der Röhricke lag an der Scheppstellbrücke, wo früher das Gemüse, das nach Stettin ging, in Kähne verladen wurde. Unterhalb dieser Brücke wurde die Röhricke vor dem ersten Weltkrieg kanalisiert und von dort geht sie als Kanal bei Nipperwiese in die Oder.

1666 gibt es in Nahausen 7 Bauern, von denen George Böhlcke (1658 wüster Hof mit 3 Hufen) zu meinen Verwandten gehört, Martin Mecklenburgs (1658 weder Cossät noch Bauer) Sohn George hat 1691 Maria Felwock geheiratet, sie ist Ahnin der Mecklenburgs, die in Nahausen gelebt haben.
Von den 17 Coßäten ist wohl Hans Meyer mein Vorfahr.
Christian Vellwock hat 1696 Ursula Stargart verw. Caspar Firch geheiratet. Sie hatten lt. Kirchenbuch keine Kinder. Er hat nach ihrem Tod 1702 ihre 5 Kinder aus der Ehe mit Caspar Firch ausbezahlt und den Hof übernommen. Das wird also das erste Haus/Hof der Fellwocks gewesen sein.

1687 ist ein Erbregister geschrieben worden. Es enthält eine ausführliche Beschreibung des Inventars von Nauhausen, Rechte und Pflichten der namentlich aufgeführten 26 Bauern und 14 Cossäten. Um diese Zeit sollen etwa 300 Seelen in Nahausen gewohnt haben.

Ab 1691 gibt es mit der Heirat Marias bis 1945 Fellwocks in Nahausen.

Hufenklassifikation 1718 Nahausen:
Besitzer: Markgraf Freidrich Wilhelm von Schwedt
26 Bauern mit zusammen 55 Hufen: Schulze Pt. Bölcke, H. Magnus, M Plathe, M Matke, Pt. Helpful (gemeint ist vermutlich Peter Fährpahl), P. Sasse, H. Timke, Sam. Falkenhagen, Chn. Schwartz, H. Krüger, Pt. Koppe, H. Sasse, Mrt. Badicke,, F. Görck, Mrt. Berendt, Dan. Wechweardt, Chn. Falckenhagen, Mrt. Wernheim, Joh. Nürberg, Pt. Badieke, Chn. Löst, Chn. Falckendal (gemeint ist vermutlich Christian Fellwock), Erd Löst, Jg Wenngert, Dav Wobbermin, Chrn Mecklenburg
16 Cossäten mit je 1 Hufe: M. Milaß,, P. Schnell, H. Rehfeldt, Wwe And. Kopnick, Chn. Ring, Mrt. Marquardt, Bt Ortwich, P. Sasse, Cph Mentzke, Mrt. Sasse, H. Jch Stentzel, Chn. Gorcke, H. Ziele, M. Marquard, Chn. Wernheim, F. Wobbermin . Mit je 1 Hufen der Schmied, der Hirt, die neue Mühle, der Kälberhirt. - Der Acker, in 3 Felder geteilt idt mttelmäßig, z. T. sandig,
Heugewinn aller Bauern 278 Fuder, aller Kossäten 120 Fuder. Weide u. Viehzucht mittelmäßig. Viehstand auf 2 Bauernhufen 2 Pferde, 3 Ochsen, 8 Rinder, 18 Schafr, 6 Schweine, 5 Gänse, Schafstand. 126. Freies Lagerholz. Einige Bienenstöcke. Der Krüger, ein Bauer, verschänkt 200 Tonnen Königsberger Bier, hat die 25. frei, erhält dazu 2 Scheffel Roggen, 1 1/2 Scheffel Salz, 1/2 Achtel Butter, 11 Pfund Talg, 1 Taler Strohgeld, alle Festtage einen Braten. Ein Küster, ohne Land. In 2 Katen wohnen ein Garnweber u. ein Rademacher, im alten Posthaus ein Schuster, im Organistenhaus ein Schneider. In 6 Wohnungen sind alte Leute dienst= und abgabenfrei untergebracht.
- 1714 Der Acker ist sandig, der Wiesenwachs mittelmäßig, Die Einwohner haben Erwerb von Gartengewächsen

Für 1750 gibt es eine Liste mit 42 Unterthanen, die nicht in Bauern und Cossäten aufgeteilt sind.
Nahausen hat 1836 1122 Einwohner gehabt (Der Märkische Stadt- und Land-Freund). Wahlvorsteher in Nahausen ist der Prediger Kropatscheck, der Stellvertreter ist der Schulze Ladewig